Im Gedenken an Arhat Ba: „Es lebe die Geschwisterlichkeit der Völker!“

Gerade habe ich erfahren, dass der Guerilla Arhat Ba am 10. August ums Leben gekommen ist. Er war in der Medienarbeit des bewaffneten Teils der kurdischen Freiheitsbewegung an vorderster Front dabei und drehte zum Beispiel den Abschuss eines türkischen Kampfhubschraubers am 13.05.16. Seine Worte „Kobra ket, Seat xweş“ (Cobra down, Well done) gingen damals um die Welt.

Im Internet ist ein Gedenkvideo für Arhat Ba zu finden, ihr könnt es euch hier anschauen:

Am Ende des Videos wird eine Videoaufnahme von Arhat gezeigt, in der er sagt: „Freund und Feind sollen wissen: Wir werden gewinnen! Es lebe die Brüderlichkeit der Völker!“ Weiterlesen

Medienbeiträge zur Facebook-Zensur und aktuellen Lage in der Türkei

Da ich es noch nicht auf den Blog gestellt hatte, hier zwei Medienbeiträge meinerseits, die vielleicht ein paar Menschen interessieren:

  1. Mein (fast) vollständiges Interview vom 08.06.16 mit der Sendung ZAPP ist schon seit einiger Zeit auf der Seite des NDR zu finden. Hier könnt ihr euch die knapp 18 Minuten Gespräch zur Facebook-Zensur anschauen.
    Am 22.08.16 ist zu diesem Thema auch ein interessanter lesenswerter SZ-Artikel erschienen: Wie Facebook Menschen zum Schweigen bringt.
  2. Am Freitag, den 26.08.16 war ich auf Einladung des Kurdischen Kulturvereins in Salzburg und habe unter dem Titel „Der Putsch im Putsch“ zur aktuellen politischen Lage in der Türkei referiert. Den Audiomitschnitt des Referats inklusive einiger Bilder findet ihr hier.

„Seine Inhaftierung kommt der Inhaftierung des Friedens gleich“

Heute fand ein dreitägiger langer Marsch der kurdischen Jugendbewegung sein Ende in München. Begonnen hatte er am vergangenen Sonntag in Ingolstadt. Bis zu 60 Jugendliche sind mehr als hundert Kilometer gelaufen, um für die Freiheit des Repräsentanten des kurdischen Volkes, Abdullah Öcalan, und den Frieden in Kurdistan zu demonstrieren. Im Namen der DKP München bin ich auch einige (wenige) Kilometer mitgelaufen und habe auf der heutigen (16.08.16) Abschlussveranstaltung mit Tanz und Reden am Odeonsplatz, einige Worte der Solidarität gesprochen. Die (zugegeben etwas oberflächliche) Rede im Wortlaut findet ihr nun hier, zusammen mit einigen „unzensierten“ (siehe Facebook) Bildern der Kundgebung:

„Liebe GenossInnen, Liebe FreundInnen,

als erstes Grüße ich diejenigen unter euch, die seit drei Tagen von Ingolstadt nach München gelaufen sind – Wir als Deutsche Kommunistische Partei München haben großen Respekt vor euch!

Die Fahne Rojavas und der bewaffneten Selbstverteidigungskräfte der EzidInnen, YBS, war überall präsent.

Die Fahnen Rojavas und der bewaffneten Selbstverteidigungskräfte der EzidInnen, YBS, waren überall auf der Kundgebung präsent.

Wir sind heute hier, um gemeinsam für die Freiheit des Repräsentanten des kurdischen Volkes, für die Freiheit von Abdullah Öcalan einzutreten. Er ist der Kopf und der Schlüssel für eine friedliche Gestaltung der Türkei, Kurdistans und des Mittleren Ostens.

Und ausgerechnet er sitzt seit 16 Jahren auf der Gefängnisinsel Imrali in Einzelhaft. Dabei war er immer wieder einer vollständigen Isolation ausgesetzt. Auch derzeit wieder. Seit April 2015 hatte niemand – weder seine Familie, noch seine Anwälte – Kontakt zu ihm. Wir wissen nicht wie es ihm geht, ob er krank oder gesund ist, ob er gefoltert wird oder nicht. Dabei sind die Haftbedingungen der Isolation schon eine Form der Folter an sich. Weiterlesen

Brief zur Gülen-Bewegung an Prof. Nassehi (2012)

In den letzten vier Wochen seit dem Putschversuch am Freitag, den 15.7.16, kritisiere ich die AKP/Erdogan-Regierung für ihre antidemokratischen Maßnahmen, wie die totale Staatssäuberung von echten oder vermeintlichen Gülen-Anhängern und anderen Kritikern, die Folter von Putschisten, die Ausgrenzung der linken Demokratischen Partei der Völker, HDP, und so weiter. Kritik an Erdogan und seiner AKP, die in deutschen Medien nun endlich, viel zu spät und oft verkürzt, ebenfalls stattfindet, haben viele linke Türken und Kurden schon seit Jahren geübt und nicht erst seitdem es en vogue ist. Denn die AKP-Regierung stand bereits vor dem 15. Juli 2016 an der Stufe zur Diktatur. Ja, auch schon vor dem Gezi-Sommer im Jahr 2013. Damals wollten oder konnten es viele (europäische) Beobachter noch nicht sehen. Zu spüren bekamen die Repressionen des türkischen Staates, genauso wie heute, vor allem Linke und Kurden.

Wird die Gülen-Bewegung in Schutz genommen?

Bei der ganzen Kritik, die hier auf dem Blog und auf meiner Facebookseite an der AKP, Erdogan und dem türkischen Staat geübt wird, könnte man den Eindruck bekommen, ich würde mich direkt oder indirekt auf die Seite der Gülen-Bewegung stellen, die vermutlich eine wichtige (aber nicht alleinige) Rolle beim Putschversuch gespielt hat. Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese Bewegung selber antidemokratischer, reaktionär-islamischer Natur ist, auch wenn sie sich anders gibt – ein „Wolf im Schafspelz“, wie der Historiker Nick Brauns sie nennt. Weiterlesen

4-5. Tag Farkha-Festival: „Our physical existance in itself is resistance“

Am 4. Tag des Farkha-Festivals wurde ausnahmsweise nicht gearbeitet. Auf dem Programm stand nämlich ein Ausflug in das Jordan-Tal, dass sich im Osten an der Grenze zu Jordanien erstreckt und 30% der Gesamtfläche der Westbank einnimmt. Es ist die Kornkammer der Region und eines der landwirtschaftlichen Zentren Israels. Israels? Ja, denn 95% des Tals befinden sich in Area C. Diese Bereiche stehen militärisch sowie zivil unter der Kontrolle der israelischen Besatzung*. Ein großer Teil des israelischen Gemüse-, Getreide und Fruchtanbaus, wie Weizen, Trauben und sogar Mangos findet dort statt. Auch werden viele Produkte des Jordan-Tals unter israelischem Lable ins Ausland exportiert. Im Jahr 2010 machte Israel alleine im Jordan-Tal angeblich einen Umsatz von 125 Milliarden Dollar.

Auf dem Weg dorthin kommen wir an dem kleinen arabischen Dorf Duma vorbei. Dort wurde Ende Juli vergangenen Jahres eine ganze Familie im Schlaf verbrannt. Rechtsextreme jüdische Siedler aus einer benachbarten Siedlung hatten das Haus in ihrem Hass gegen alles Palästinensische angezündet. Ab und zu werden bei tödlicher Siedlergewalt zwar Haftstrafen von israelischen Gerichte verhängt. Nachdem sich die mediale Aufmerksamkeit aber gelegt hat, werden die Täter oft mit irgendwelchen fadenscheinigen Begründungen, wie psychologischer Probleme, frühzeitig entlassen. Nähere Infos zum (juristischen) Umgang mit dem Anschlag in Duma finden sich hier.

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Im Gespräch mit dem Beduinen Zoubaa

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3. Tag Farkha-Festival: Widerstands-Ökonomie und ökologischer Gartenbau

Am dritten Tag des 23. Farkha-Festivals wurde erst mal der Friedhof von Unkraut und Schmutz gereinigt. Das Andenken an Tote wird hier anders zelebriert als in Europa. Würde man am Farkha-Friedhof vorbeilaufen, wäre dieser erst nicht richtig als Gedenkstätte für Verstorbene zu erkennen: Eine schlichte Betonmauer läuft um ein vermeintlich unbebautes verwildertes Grundstück. Erst auf den zweiten Blick erkennt man verwitterte, im Boden eingelassene Betonplatten.

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Arbeiten auf dem Friedhof: Unkraut jäten bei 38 Grad Hitze

Blumendekoration gibt es nicht und Inschriften sind sehr selten und kaum lesbar. In meiner Arbeitsgruppe befinden sich vor allem sehr junge GenossInnen, die noch nicht sehr politisiert sind und vermutlich auch primär aus familiären Gründen in der PPP-Jugend aktiv sind. Genauso wie in der Türkei werden politische Überzeugungen oft „vererbt“. Das heißt, dass ganze Familien in der kommunistischen Bewegung aktiv sind. Diese Beobachtung ist natürlich nicht zu verabsolutieren, aber es scheint öfters vorzukommen als in Deutschland. Wenn, dann findet eine politische Bewusstwerdung im Sinne von Beschäftigung mit marxistischer Theorie und anderen Inhalten, erst später statt. Weiterlesen

1-2. Tag Farkha-Festival: Willkommen im Land der Mauern und Zäune

Nach einem Jahr Pause geht es dieses Jahr wieder nach Palästina, zum 23. Farkha-Festival der Jugend der Palestinian Peoples Party. Zuletzt war ich 2014 während des letzten Gaza-Krieges dort.2016-07-31 13.23.10 Dieses Mal ist die Situation etwas entspannter, auch wenn die Ungerechtigkeit und israelische Besatzung der Westbank/Gazas weiterhin von Tag zu Tag andauern*. Die Einreise am Ben Gurion-Flughafen geht im Vergleich zu den Vorjahren, als wir bis zu 8 Stunden befragt und festgehalten wurden, richtig schnell. Gleich zu Beginn sage ich dem israelischen Sicherheitsbeamten offen, dass ich am 23. Farkha-Festival teilnehmen werde, wie schon drei Mal zuvor, und sie doch sicherlich meine Daten dazu gespeichert hätten. Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen nickt der Beamte und sagt: „Ok, you can go.“ Weiterlesen

Zapp fragt: Sperrt Facebook pro-kurdische Inhalte?

Am vergangenen Mittwoch wurde die Zensur-Praxis von Facebook bezüglich Türkei-kritischer Posts endlich auch von einem großen Medienmagazin aufgegriffen. In einem knapp 6-minütigen Beitrag von Zapp – Das Medienmagazin geht es um „Facebook: Gelöschte Satire und gesperrte Artikel„. Auch ich komme als „Aktivist und Kommunikationswissenschaftler“ zu Wort (Was auch immer das heißt). Hier könnt ihr euch den Beitrag auf YouTube anschauen:

In einem lesenswerten Begleitartikel geht die freie Journalistin und Macherin des Beitrags, Yasemin Ergin, konkret auf die Zensur von kurdischen Inhalten auf Facebook ein. Sie schreibt unter anderem:
„Facebooks willkürlicher Umgang mit kurdischen Inhalten ist umso heikler, wenn man bedenkt, wie massiv eingeschränkt in der Türkei kritische Berichterstattung ist. Während die Regierung im Südosten des Landes einen regelrechten Krieg gegen die kurdische Bevölkerung führt, sind kritische Berichte darüber in türkischen Medien kaum zu finden. Soziale Netzwerke sind wichtige Instrumente für die Verbreitung von Gegeninformation. Unter diesen Umständen wäre es wünschenswert, dass Facebook seine Löschpraktiken überdenkt – oder sie zumindest transparenter macht.“ Weiterlesen

Zivilisten in Nusaybin droht Massaker

Gestern verkündeten die Zivilverteidigungseinheiten YPS ihren Rückzug aus der seit mehr als zwei Monaten heftig umkämpften Stadt Nusaybi an der syrischen Grenze. In einer schriftlichen Erklärung schreiben sie, dass dieser Schritt

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Ein Mitglied der Zivilverteidgungseinheiten in Nusaybin. Diese Aufnahme ist vom Januar 2016. Auf der Wand steht in etwa: „Jugendlich ist man im Herzen, nicht in einem Panzer sitzend“. Quelle: ANF

zur „Vermeidung ziviler Opfer“ erfolge. Außerdem haben türkische Einsatzkräfte die Stadt mit Bombardements aus der Luft dem Erdboden gleich gemacht. „Unter diesen Bedingungen mussten unsere Widerstandseinheiten ihre Positionen verändern“.
Weiter erklären sie: „Zu diesem Zeitpunkt befinden sich in Nusaybin keine unserer bewaffneten Einheiten mehr. Dadurch gibt es für den AKP-Staat keine weitere Legitimation die Stadt weiter anzuzünden und zu zerstören. Jede einzelne Patrone, die jetzt vom türkischen Staat in Nusaybin verschossen wird, wird unbewaffnete Zivilisten treffen. (…) Im Alika-Viertel befinden sich Mütter und Kinder (…). Die Leben der Unbewaffneten sind in Gefahr. Wir rufen alle Menschenrechtsorganisationen, alle demokratischen Kräfte dazu auf, die Leben dieser Menschen zu beschützen und einzugreifen.“ Weiterlesen

Nach Aufhebung der Immunität – Bleiben jetzt nur noch die Berge?

Am vergangenen Freitag (20.05.16) war es soweit, die monatelange Debatte um eine Aufhebung der Immunität von Parlamentsabgeordneten in der Türkei ist zu einem Ende gekommen: Mit 376 Stimmen wurde die Verfassungsänderung zur Immunitätsaufhebung vom türkischen Parlament angenommen. Nun könnte man argumentieren, dass dies ja alle Parlamentarier betreffen wird und nicht nur die Abgeordneten der linken Demokratischen Partei der Völker (HDP). Das stimmt, aber Deniz Yücel schreibt in Die Welt richtig, dass die meisten Strafverfolgungsanträge gegen die HDPler viel schwerer wiegen, „als die gegen die 88 Abgeordneten aus allen übrigen Fraktionen: Propaganda für eine Terrororganisation, Mitgliedschaft, gar Gründung einer solchen. Insgesamt hatten sich bis zum 24. Dezember vergangenen Jahres aus der laufenden und früheren Legislaturperioden 330 Anträge auf Aufhebung der Immunität angesammelt, darunter 182 gegen Abgeordnete der HDP.“

Das Satire-Magazin Extra 3 kommentierte die Immunitätsaufhebung passend:

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Fahr mit zum 23. Farkha-Jugend-Festival!

Vom 31. 07 – 08. 08. 2016 findet wieder das 23. internationale Farkha-Festival statt. Lasst uns gemeinsam hinfahren und Solidarität zeigen.

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Auftaktdemonstration in Farkha, August 2014

Der Nahe und Mittlere Osten ist im Kriegszustand. In Syrien, Türkei und dem Irak finden heftige Gefechte statt. Währenddessen erlebt ein kleines Stück Land in Nordsyrien, Rojava genannt, gerade eine fortschrittliche Revolution. Unter all diesen Eindrücken gerät ein jahrzehntelanger Kampf gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit in Vergessenheit: Das Aufbegehren der palästinensischen Bevölkerung gegen die Besetzung ihres Landes. Weiterlesen

Cizre, Ach Cizre!

Auf dem YouTube-Kanal der HDP (Demokratische Partei der Völker) wurde vor einigen Tagen eine kurze (englische) Videodokumentation zu den Massakern an der kurdischen Zivilbevölkerung in Cizre veröffentlicht.
Die ersten Ausgangssperre seitens des türkischen Militärs wurde zwischen dem 4. und 12. September erlassen. Danach gab es vier weitere Ausgangssperren. Die längste begann am 14. Dezember – sie ging 79 Tage lang. Dabei wurden 251 Menschen getötet, die meisten davon ZivilistInnen. 172 Leichname sind so entstellt, dass bisher nicht geklärt werden konnte, zu welcher Person sie gehören. 79 Körper wurden mittlerweile beerdigt, ohne zu wissen, wer es war. Weiterlesen

Erdogans Krieg – Artikel aus der jungen Welt (6.4.16)

Momentan finde ich nicht die Zeit ausführlich über die dramatischen Geschehnisse in Nordkurdistan und der Türkei zu berichten. Deshalb sei hier ein lesenswerter Artikel von Peter Schaber aus der heutigen jungen Welt vom 6.4.16 empfohlen.

Aus der Einleitung:
„Der seit Monaten andauernde Krieg Ankaras gegen die kurdische Befreiungsbewegung im Südosten der Türkei ging Mitte März in eine neue Phase. Nachdem drei wichtige Orte des kurdischen Widerstands – Diyarbakir-Sur, Silopi und Cizre – durch wochenlange flächendeckende Bombardements sturmreif geschossen worden waren, versetzte die türkische Militärmaschinerie weitere Kerngebiete der kurdischen Bewegung mit schwerem Gerät und Zehntausenden Kämpfern in einen unbegrenzten Belagerungszustand. Diesmal traf es die Kleinstadt Idil (30 Kilometer von der Kreisstadt Cizre entfernt), das an der Grenze zu Syrien gelegene Nusaybin und die Hochburg der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Provinz Hakkari, die Stadt Yüksekova. Flankiert wurde diese Attacke durch Luftschläge gegen die Stellungen der Guerilla im Kandil-Gebirge an der Grenze zum Irak sowie durch Artillerie­angriffe auf die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG.“

Peter Schaber schreibt auch für das Lower Class Magazine. Dort erscheinen immer wieder Artikel mit Türkei/Kurdistan-Bezug. Zum Beispiel über die Campus Hexen.

Der Freiheitskampf der Kurdinnen auf arte

Etwas verspätet eine ausdrückliche Empfehlung für die arte-Dokumentation „Der Freiheitskampf der Kurdinnen“, die zum Weltfrauentag am 8.3.16 ausgestrahlt worden ist. In dem Film wird die kurdische Frauenbewegung in all ihren Facetten unvoreingenommen dargestellt. Mit wirklich sehenswerten Bildern und Eindrücken, die sehr beeindruckend sind. Eine besondere Rolle spielt dabei die „Partei der freien Frau in Kurdistan“ (PAJK) und eine ihrer Vordenkerinnen, Sakine Cansiz, auch Hevala Sara genannt. Genossin Sara wurde im Januar 2013 zusammen mit zwei anderen Genossinnen in Paris im Auftrag des türkischen Geheimdienst MIT erschossen. Auch ihrem Andenken gilt diese sehenswerte Dokumentation.

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„Lasst uns das Wasser, den Boden und die Energie kommunalisieren“ – A. Öcalan

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Michael Knapp. © 2014 by Schattenblick – www.schattenblick.de

Ein Interview mit dem Historiker, Autoren und Rojava-Experten Michael Knapp zu den ökonomischen Grundlagen der Revolution in Rojava (Nordsyrien). Knapp ist Mitglied des Kurdistan-Solidaritäts-Komitees in Berlin und bereiste Rojava mehrmals in den letzten Jahren.

Könntest du uns zu Beginn einen Überblick über den früheren Aufbau der Wirtschaft in Nordsyrien, also vor den Umwälzungen und dem politischen Projekt Rojava, geben. Wie war die Wirtschaft damals aufgebaut?

Die Ökonomie in Nordsyrien war ähnlich wie in den anderen Teilen Kurdistans auch, durch eine quasikoloniale Situation geprägt. Das bedeutet, dass der Großteil der Landwirtschaftlichen Produktion aber auch mindestens 60% der Ölförderung im Norden Syriens, allerdings alle Formen der Weiterverarbeitung im Süden des Landes stattfand. Die verarbeiteten Produkte wurden dann wieder in Rojava verkauft.
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Die Daten sind gesammelt

Feldnotizen vom 24-25.02.16

Mit dem heutigen Donnerstag geht mein Forschungsaufenthalt in Uganda dem Ende entgegen. Heute vor vier Wochen bin ich in Kampala angekommen. Ich hatte drei Ziele:

  1. mit verschiedenen Schlüsselfiguren reden, die auf die ein oder andere Weise Einfluss auf das Mediensystem hier haben
  2. relevante Dokumente sammeln, zum Beispiel Gesetze, Zeitungsartikel und Reports von (ugandischen) NGOs
  3. vor Ort einen Eindruck der Lage bekommen, schauen wie Journalisten arbeiten und das Mediensystem funktioniert, also eine Art Feldbeobachtung

All diese Dinge, so schätze ich es vorläufig ein, sind gut gelungen. Insgesamt habe ich 46 Personen interviewt. Das ist für eine Masterarbeit sehr viel, aber es hat einfach Spaß gemacht. Weiterlesen

Journalist Rohat Aktaş von türkischem Militär ermordet

Rohat Aktaş, Chef vom Dienst der kurdischen Tageszeitung Azadiya Welat, wurde vom türkischen Militär bei der 78-Tage dauernden Ausgangssperre in Cizre ermordet. Sein Leichnam wurde heute identifiziert. Er ist einer von 177 Zivilisten, die alleine in der kurdischen 120.000 Einwohnerstadt durch die militärische Belagerung umgebracht wurden. Gleichzeitig ist es ein Angriff auf die Pressefreiheit in der Türkei, die so gut wie nicht mehr existiert.

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Rohat Aktaş, Journalist von Azadiya Welat, vom türkischen Militär ermordet

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Endspurt Uganda

Feldnotizen vom 22-23.02.16

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Ausgabe der New Vision vom 23.02.16

Nun befinde ich mich in den letzten Tagen meines Forschungsaufenthaltes in Uganda. Ab kommenden Freitag bin ich privat im Urlaub unterwegs. Dann wird es eine Zeit lang keine Berichte mehr geben (außer Fotos von Löwen und Giraffen vielleicht). Das vergangene Wochenende war ausnahmsweise ohne große Interviews. Dafür habe ich viel geschrieben und mir Gedanken gemacht. Der Montag und Dienstag waren wieder mit einigen sehr interessanten Interviewpartnern belegt und einem kurzen Ausflug an die Makerere Universität.
Kurz zur politischen Situation: Die Stadt ist ruhig, es finden trotz äußerst fragwürdigem Wahlvorgang keine Proteste statt, da die führenden Oppositionspolitiker des FDC entweder inhaftiert sind oder unter Hausarrest stehen. Die New Vision hat heute mit einem Totschlagargument aufgemacht: „Besigye laut Polizei vom Ausland bezahlt“. Ein beliebtes Narrativ, um jegliche Kritik zu delegitimieren. Man muss aber dazu sagen, dass der Bericht in der Zeitung sehr ausgewogen und kritisch ist und auch hinterfragt, dass die Polizei keinerlei Quellen benennt. Außerdem kommt auch der FDC-Vorsitzende ausführlich zu Wort. Das Problem ist, dass in Kampala vor allem die Schlagzeilen gelesen werden und nicht der dazugehörige Artikel. Die Zeitungen sind an den Verkaufsständen zu getackert, sodass nur ein wirklicher Käufer die Zeitung aufschlagen kann. Man sieht im Stadtbild immer ganze Menschentrauben vor den Kiosken stehen, die nur die Schlagzeilen lesen und mehr nicht. Und dann hat eine entsprechende Überschrift wie heute bei der New Vision auch eine gewisse Wirkung. Weiterlesen

Nordkurdistan: Das Drama geht jeden Tag weiter

Nach langer Zeit kommt hier wieder ein kurzes Türkei-Update. Die letzten Wochen bin ich leider nicht dazu gekommen regelmäßige Updates zu schreiben, da die Arbeit in Uganda sehr zeitaufwendig ist. Trotzdem habe ich jeden Tag den Krieg des türkischen Staates gegen die kurdische Bevölkerung und die militärische Belagerung und Zerstörung ganzer kurdischer Städte, wie zum Beispiel Cizre, in den Medien verfolgt. Was derzeit dort geschieht, ist Krieg und steht der Lage in Syrien um nichts nach.

Bilder aus Sur. Derzeit gibt es einen Fluchtkorridor aus dem die Menschen fliehen können

Bilder aus Sur. Derzeit gibt es einen Fluchtkorridor, aus dem die Menschen fliehen können

In Cizre ist die Ausgangssperre nach mehr als zwei Monaten (67 Tage!) aufgehoben worden. In den letzten sechs Monaten gab es insgesamt 340 Tage Ausgangssperren in den verschiedenen Gebieten Nordkurdistans. Dies berichtet der linke Fernsehsender imc tv auf Berufung des türkischen Menschen-rechtsverein TIHV.
Am 16.2 wurde unterdessen in Idil (Bezirk Sirnak) wieder eine totale Ausgangssperre verhängt, die bis heute andauert. So zieht die türkische Armee weiter mordend und brandschatzend von Stadt zu Stadt und hinterlässt nichts als Trümmerfelder. Doch ist das wirklich die türkische Armee, die dort kämpft? Weiterlesen