Zapp fragt: Sperrt Facebook pro-kurdische Inhalte?

Am vergangenen Mittwoch wurde die Zensur-Praxis von Facebook bezüglich Türkei-kritischer Posts endlich auch von einem großen Medienmagazin aufgegriffen. In einem knapp 6-minütigen Beitrag von Zapp – Das Medienmagazin geht es um „Facebook: Gelöschte Satire und gesperrte Artikel„. Auch ich komme als „Aktivist und Kommunikationswissenschaftler“ zu Wort (Was auch immer das heißt). Hier könnt ihr euch den Beitrag auf YouTube anschauen:

In einem lesenswerten Begleitartikel geht die freie Journalistin und Macherin des Beitrags, Yasemin Ergin, konkret auf die Zensur von kurdischen Inhalten auf Facebook ein. Sie schreibt unter anderem:
„Facebooks willkürlicher Umgang mit kurdischen Inhalten ist umso heikler, wenn man bedenkt, wie massiv eingeschränkt in der Türkei kritische Berichterstattung ist. Während die Regierung im Südosten des Landes einen regelrechten Krieg gegen die kurdische Bevölkerung führt, sind kritische Berichte darüber in türkischen Medien kaum zu finden. Soziale Netzwerke sind wichtige Instrumente für die Verbreitung von Gegeninformation. Unter diesen Umständen wäre es wünschenswert, dass Facebook seine Löschpraktiken überdenkt – oder sie zumindest transparenter macht.“ Weiterlesen

Zivilisten in Nusaybin droht Massaker

Gestern verkündeten die Zivilverteidigungseinheiten YPS ihren Rückzug aus der seit mehr als zwei Monaten heftig umkämpften Stadt Nusaybi an der syrischen Grenze. In einer schriftlichen Erklärung schreiben sie, dass dieser Schritt

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Ein Mitglied der Zivilverteidgungseinheiten in Nusaybin. Diese Aufnahme ist vom Januar 2016. Auf der Wand steht in etwa: „Jugendlich ist man im Herzen, nicht in einem Panzer sitzend“. Quelle: ANF

zur „Vermeidung ziviler Opfer“ erfolge. Außerdem haben türkische Einsatzkräfte die Stadt mit Bombardements aus der Luft dem Erdboden gleich gemacht. „Unter diesen Bedingungen mussten unsere Widerstandseinheiten ihre Positionen verändern“.
Weiter erklären sie: „Zu diesem Zeitpunkt befinden sich in Nusaybin keine unserer bewaffneten Einheiten mehr. Dadurch gibt es für den AKP-Staat keine weitere Legitimation die Stadt weiter anzuzünden und zu zerstören. Jede einzelne Patrone, die jetzt vom türkischen Staat in Nusaybin verschossen wird, wird unbewaffnete Zivilisten treffen. (…) Im Alika-Viertel befinden sich Mütter und Kinder (…). Die Leben der Unbewaffneten sind in Gefahr. Wir rufen alle Menschenrechtsorganisationen, alle demokratischen Kräfte dazu auf, die Leben dieser Menschen zu beschützen und einzugreifen.“ Weiterlesen

Nach Aufhebung der Immunität – Bleiben jetzt nur noch die Berge?

Am vergangenen Freitag (20.05.16) war es soweit, die monatelange Debatte um eine Aufhebung der Immunität von Parlamentsabgeordneten in der Türkei ist zu einem Ende gekommen: Mit 376 Stimmen wurde die Verfassungsänderung zur Immunitätsaufhebung vom türkischen Parlament angenommen. Nun könnte man argumentieren, dass dies ja alle Parlamentarier betreffen wird und nicht nur die Abgeordneten der linken Demokratischen Partei der Völker (HDP). Das stimmt, aber Deniz Yücel schreibt in Die Welt richtig, dass die meisten Strafverfolgungsanträge gegen die HDPler viel schwerer wiegen, „als die gegen die 88 Abgeordneten aus allen übrigen Fraktionen: Propaganda für eine Terrororganisation, Mitgliedschaft, gar Gründung einer solchen. Insgesamt hatten sich bis zum 24. Dezember vergangenen Jahres aus der laufenden und früheren Legislaturperioden 330 Anträge auf Aufhebung der Immunität angesammelt, darunter 182 gegen Abgeordnete der HDP.“

Das Satire-Magazin Extra 3 kommentierte die Immunitätsaufhebung passend:

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Fahr mit zum 23. Farkha-Jugend-Festival!

Vom 31. 07 – 08. 08. 2016 findet wieder das 23. internationale Farkha-Festival statt. Lasst uns gemeinsam hinfahren und Solidarität zeigen.

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Auftaktdemonstration in Farkha, August 2014

Der Nahe und Mittlere Osten ist im Kriegszustand. In Syrien, Türkei und dem Irak finden heftige Gefechte statt. Währenddessen erlebt ein kleines Stück Land in Nordsyrien, Rojava genannt, gerade eine fortschrittliche Revolution. Unter all diesen Eindrücken gerät ein jahrzehntelanger Kampf gegen Ausbeutung und Ungerechtigkeit in Vergessenheit: Das Aufbegehren der palästinensischen Bevölkerung gegen die Besetzung ihres Landes. Weiterlesen

Cizre, Ach Cizre!

Auf dem YouTube-Kanal der HDP (Demokratische Partei der Völker) wurde vor einigen Tagen eine kurze (englische) Videodokumentation zu den Massakern an der kurdischen Zivilbevölkerung in Cizre veröffentlicht.
Die ersten Ausgangssperre seitens des türkischen Militärs wurde zwischen dem 4. und 12. September erlassen. Danach gab es vier weitere Ausgangssperren. Die längste begann am 14. Dezember – sie ging 79 Tage lang. Dabei wurden 251 Menschen getötet, die meisten davon ZivilistInnen. 172 Leichname sind so entstellt, dass bisher nicht geklärt werden konnte, zu welcher Person sie gehören. 79 Körper wurden mittlerweile beerdigt, ohne zu wissen, wer es war. Weiterlesen

Erdogans Krieg – Artikel aus der jungen Welt (6.4.16)

Momentan finde ich nicht die Zeit ausführlich über die dramatischen Geschehnisse in Nordkurdistan und der Türkei zu berichten. Deshalb sei hier ein lesenswerter Artikel von Peter Schaber aus der heutigen jungen Welt vom 6.4.16 empfohlen.

Aus der Einleitung:
„Der seit Monaten andauernde Krieg Ankaras gegen die kurdische Befreiungsbewegung im Südosten der Türkei ging Mitte März in eine neue Phase. Nachdem drei wichtige Orte des kurdischen Widerstands – Diyarbakir-Sur, Silopi und Cizre – durch wochenlange flächendeckende Bombardements sturmreif geschossen worden waren, versetzte die türkische Militärmaschinerie weitere Kerngebiete der kurdischen Bewegung mit schwerem Gerät und Zehntausenden Kämpfern in einen unbegrenzten Belagerungszustand. Diesmal traf es die Kleinstadt Idil (30 Kilometer von der Kreisstadt Cizre entfernt), das an der Grenze zu Syrien gelegene Nusaybin und die Hochburg der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in der Provinz Hakkari, die Stadt Yüksekova. Flankiert wurde diese Attacke durch Luftschläge gegen die Stellungen der Guerilla im Kandil-Gebirge an der Grenze zum Irak sowie durch Artillerie­angriffe auf die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG.“

Peter Schaber schreibt auch für das Lower Class Magazine. Dort erscheinen immer wieder Artikel mit Türkei/Kurdistan-Bezug. Zum Beispiel über die Campus Hexen.

Der Freiheitskampf der Kurdinnen auf arte

Etwas verspätet eine ausdrückliche Empfehlung für die arte-Dokumentation „Der Freiheitskampf der Kurdinnen“, die zum Weltfrauentag am 8.3.16 ausgestrahlt worden ist. In dem Film wird die kurdische Frauenbewegung in all ihren Facetten unvoreingenommen dargestellt. Mit wirklich sehenswerten Bildern und Eindrücken, die sehr beeindruckend sind. Eine besondere Rolle spielt dabei die „Partei der freien Frau in Kurdistan“ (PAJK) und eine ihrer Vordenkerinnen, Sakine Cansiz, auch Hevala Sara genannt. Genossin Sara wurde im Januar 2013 zusammen mit zwei anderen Genossinnen in Paris im Auftrag des türkischen Geheimdienst MIT erschossen. Auch ihrem Andenken gilt diese sehenswerte Dokumentation.

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„Lasst uns das Wasser, den Boden und die Energie kommunalisieren“ – A. Öcalan

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Michael Knapp. © 2014 by Schattenblick – www.schattenblick.de

Ein Interview mit dem Historiker, Autoren und Rojava-Experten Michael Knapp zu den ökonomischen Grundlagen der Revolution in Rojava (Nordsyrien). Knapp ist Mitglied des Kurdistan-Solidaritäts-Komitees in Berlin und bereiste Rojava mehrmals in den letzten Jahren.

Könntest du uns zu Beginn einen Überblick über den früheren Aufbau der Wirtschaft in Nordsyrien, also vor den Umwälzungen und dem politischen Projekt Rojava, geben. Wie war die Wirtschaft damals aufgebaut?

Die Ökonomie in Nordsyrien war ähnlich wie in den anderen Teilen Kurdistans auch, durch eine quasikoloniale Situation geprägt. Das bedeutet, dass der Großteil der Landwirtschaftlichen Produktion aber auch mindestens 60% der Ölförderung im Norden Syriens, allerdings alle Formen der Weiterverarbeitung im Süden des Landes stattfand. Die verarbeiteten Produkte wurden dann wieder in Rojava verkauft.
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Die Daten sind gesammelt

Feldnotizen vom 24-25.02.16

Mit dem heutigen Donnerstag geht mein Forschungsaufenthalt in Uganda dem Ende entgegen. Heute vor vier Wochen bin ich in Kampala angekommen. Ich hatte drei Ziele:

  1. mit verschiedenen Schlüsselfiguren reden, die auf die ein oder andere Weise Einfluss auf das Mediensystem hier haben
  2. relevante Dokumente sammeln, zum Beispiel Gesetze, Zeitungsartikel und Reports von (ugandischen) NGOs
  3. vor Ort einen Eindruck der Lage bekommen, schauen wie Journalisten arbeiten und das Mediensystem funktioniert, also eine Art Feldbeobachtung

All diese Dinge, so schätze ich es vorläufig ein, sind gut gelungen. Insgesamt habe ich 46 Personen interviewt. Das ist für eine Masterarbeit sehr viel, aber es hat einfach Spaß gemacht. Weiterlesen

Journalist Rohat Aktaş von türkischem Militär ermordet

Rohat Aktaş, Chef vom Dienst der kurdischen Tageszeitung Azadiya Welat, wurde vom türkischen Militär bei der 78-Tage dauernden Ausgangssperre in Cizre ermordet. Sein Leichnam wurde heute identifiziert. Er ist einer von 177 Zivilisten, die alleine in der kurdischen 120.000 Einwohnerstadt durch die militärische Belagerung umgebracht wurden. Gleichzeitig ist es ein Angriff auf die Pressefreiheit in der Türkei, die so gut wie nicht mehr existiert.

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Rohat Aktaş, Journalist von Azadiya Welat, vom türkischen Militär ermordet

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Endspurt Uganda

Feldnotizen vom 22-23.02.16

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Ausgabe der New Vision vom 23.02.16

Nun befinde ich mich in den letzten Tagen meines Forschungsaufenthaltes in Uganda. Ab kommenden Freitag bin ich privat im Urlaub unterwegs. Dann wird es eine Zeit lang keine Berichte mehr geben (außer Fotos von Löwen und Giraffen vielleicht). Das vergangene Wochenende war ausnahmsweise ohne große Interviews. Dafür habe ich viel geschrieben und mir Gedanken gemacht. Der Montag und Dienstag waren wieder mit einigen sehr interessanten Interviewpartnern belegt und einem kurzen Ausflug an die Makerere Universität.
Kurz zur politischen Situation: Die Stadt ist ruhig, es finden trotz äußerst fragwürdigem Wahlvorgang keine Proteste statt, da die führenden Oppositionspolitiker des FDC entweder inhaftiert sind oder unter Hausarrest stehen. Die New Vision hat heute mit einem Totschlagargument aufgemacht: „Besigye laut Polizei vom Ausland bezahlt“. Ein beliebtes Narrativ, um jegliche Kritik zu delegitimieren. Man muss aber dazu sagen, dass der Bericht in der Zeitung sehr ausgewogen und kritisch ist und auch hinterfragt, dass die Polizei keinerlei Quellen benennt. Außerdem kommt auch der FDC-Vorsitzende ausführlich zu Wort. Das Problem ist, dass in Kampala vor allem die Schlagzeilen gelesen werden und nicht der dazugehörige Artikel. Die Zeitungen sind an den Verkaufsständen zu getackert, sodass nur ein wirklicher Käufer die Zeitung aufschlagen kann. Man sieht im Stadtbild immer ganze Menschentrauben vor den Kiosken stehen, die nur die Schlagzeilen lesen und mehr nicht. Und dann hat eine entsprechende Überschrift wie heute bei der New Vision auch eine gewisse Wirkung. Weiterlesen

Nordkurdistan: Das Drama geht jeden Tag weiter

Nach langer Zeit kommt hier wieder ein kurzes Türkei-Update. Die letzten Wochen bin ich leider nicht dazu gekommen regelmäßige Updates zu schreiben, da die Arbeit in Uganda sehr zeitaufwendig ist. Trotzdem habe ich jeden Tag den Krieg des türkischen Staates gegen die kurdische Bevölkerung und die militärische Belagerung und Zerstörung ganzer kurdischer Städte, wie zum Beispiel Cizre, in den Medien verfolgt. Was derzeit dort geschieht, ist Krieg und steht der Lage in Syrien um nichts nach.

Bilder aus Sur. Derzeit gibt es einen Fluchtkorridor aus dem die Menschen fliehen können

Bilder aus Sur. Derzeit gibt es einen Fluchtkorridor, aus dem die Menschen fliehen können

In Cizre ist die Ausgangssperre nach mehr als zwei Monaten (67 Tage!) aufgehoben worden. In den letzten sechs Monaten gab es insgesamt 340 Tage Ausgangssperren in den verschiedenen Gebieten Nordkurdistans. Dies berichtet der linke Fernsehsender imc tv auf Berufung des türkischen Menschen-rechtsverein TIHV.
Am 16.2 wurde unterdessen in Idil (Bezirk Sirnak) wieder eine totale Ausgangssperre verhängt, die bis heute andauert. So zieht die türkische Armee weiter mordend und brandschatzend von Stadt zu Stadt und hinterlässt nichts als Trümmerfelder. Doch ist das wirklich die türkische Armee, die dort kämpft? Weiterlesen

Der Wahltag und was danach folgte…

Feldnotizen vom 18/19.02.16

Am Donnerstag, den 18.2.16 war es endlich soweit: Es wurde gewählt. Zumindest sollte gewählt werden. In vielen Wahlstationen ging aber erst einmal überhaupt nichts. Das war der Beginn einer chaotischen Zeit, die bis heute (20.2.16) anhält und ein Ende noch nicht absehbar ist. Aber von vorne.

Ivan Mpaata und ich im Taxi-Bus

Ivan Mpaata und ich im Taxi-Bus

Um 06:00 Uhr früh hieß es raus aus den Federn, denn bereits um 07:00 Uhr war ich mit Ivan Mpaata verabredet. Ivan ist Anwalt und Aktivist des Menschenrechtsnetzwerk für Journalisten in Uganda (HRNJ-U). Weiterlesen

Wahlkampf in Kampala

Feldnotizen vom 16/17.02.16

Am Dienstag war der letzte offizielle Wahlkampftag in Uganda, denn einen Tag vor den Wahlen (Mittwoch) müssen die Aktivitäten der KandidatInnen ruhen. Die Situation war angespannt, nachdem Oppositionskandidat Dr. Kizza Besigye am Tag zuvor zwei mal kurzfristig von der Polizei festgesetzt und seine Anhänger am Demonstrieren gehindert wurden.
Da Spitzenkandidat Nr. 3, Amama Mbabazi von Go Forward, direkt im Haus gegenüber meiner Unterkunft wohnt und ich eine seiner Medienverantwortlichen, Achola Rosario, interviewt habe, bin ich auf die Pressekonferenz in seinem Anwesen eingeladen. Außerdem ist mir sein Sicherheitsdienst mittlerweile bekannt und wir grüßen uns immer beim vorbei joggen.

Auf der Pressekonferenz von Amama Mbabazi, 16.2.16

Auf der Pressekonferenz von Amama Mbabazi, 16.2.16

Im großen Garten haben sich schon Journalisten und Kamerateams aufgebaut, insgesamt sind es zwanzig Personen, die den ehemaligen Premierminister und jetzigen Präsidentschafts-kandidaten interviewen wollen. Da noch Warten angesagt ist, ist das eine gute Gelegenheit Bekanntschaft mit den Pressevertretern zu schließen, auch wenn schon genug Interviews geführt worden sind: Mittlerweile mehr als 35 Stück. Auch ein Al Jazeera Team aus Nairobi ist zusammen mit ein paar weiteren AuslandskorrespondentInnen anwesend. Noch bevor die Pressekonferenz richtig beginnt, muss ich weiter ins nahe gelegene Hotel Africana ziehen. Dort steht ein Treffen mit Herrn Mwanguhya auf der Tagesordnung. Auf dem Weg dorthin fällt auf, dass die Stadt mit Polizei, Militär und anderen Sicherheitskräften überfüllt ist, sie stehen wirklich an jeder Ecke. Weiterlesen

Es wird heiß

Feldnotizen vom 14/15.02.16

Tränengas made in Uganda

Tränengas made in Uganda. Quelle

Am heutigen Montag hat die letzte Woche des Wahlkampfs begonnen, genauer gesagt, die letzten zwei Tage. Denn 24 Stunden vor Wahlbeginn darf keine politische Werbung mehr gemacht werden. Das heißt heute und morgen finden die letzten Wahlkampf-kundgebungen statt. Während am vergangenen Samstag bei der Präsidentschaftskandidatendebatte noch alles friedlich war und sich alle Bewerber zum Gebet sogar die Hand gereicht haben, entladen sich heute die in den letzten Wochen aufgebauten Spannungen. So ist die Polizei in Kampala gegen eine Wahlkampftour Dr. Kizza Besigyes durch die Innenstadt vorgegangen.

Polizisten heute auf den Straßen Kampalas. Quelle

Polizisten heute auf den Straßen Kampalas. Quelle

Mit Tränengas und Gummigeschossen versuchte sie die lange Prozession aus Autos, Boda Bodas und Demonstranten zu vertreiben. Dabei inhaftierte die Polizei sogar kurzfristig den Kandidaten Dr. Besigye.  Hintergrund der Auseinandersetzungen ist, dass die Behörden Teile der Innenstadt mit einem generellen Demonstrationsverbot belegt haben, um, wie es heißt, die Geschäfte und den Verkehr nicht zubeeinträchtigen, sowie Gewalt unter den verschiedenen Anhängern der Parteien zu vermeiden. Auch der Auftritt des aussichtsreichsten Oppositionskandidaten auf dem Campus der Makerere Universität wurde von der Polizei und Spezialeinheiten des Militärs verhindert. Es kommt gerade in den benachbarten Vierteln deswegen zu Straßenschlachten. Unbestätigten Meldungen zufolge soll es einen toten Demonstranten geben. Weiterlesen

Von Beamten, NGOs und Präsidentschaftsdebatten

Feldnotizen vom 11-13.02.16

Die letzten drei Tage standen vor allem Interviews mit Regierungsmitarbeitern und NGOs auf der Tagesordnung. Durch einen guten Kontakt in das Informations-Ministerium stehen mir dort die Türen offen für alle möglichen hochrangigen Personen, die mit Medien zu tun haben. Davor aber noch ein paar Anmerkungen zum Verlauf des Forschungsprozesses. Bisher sind etwas über 30 Interviews geführt worden, darunter befinden sich Medien-NGOs, Wissenschaftler, Beamte und natürlich Journalisten. Langsam merke ich, dass bei den meisten Themen eine gewisse theoretische Sättigung erreicht wurde. Das heißt, dass bei den Interviews nicht mehr viel Neues herauskommt. Die verschiedenen Narrative über das ugandische Mediensystem, je nachdem welche Person in welcher Position man befragt, sind weitestgehend beleuchtet. Die meisten Fragen habe ich mehrmals von verschiedenen Personen beantwortet bekommen, auch um eine gewisse Kontrolle über die Aussagen zu bekommen. Die Antworten unterscheiden sich nur noch in Details. Trotzdem werde ich nächste Woche noch einige Interviews führen, vor allem mit Menschen, die eine ganz eigene Perspektive auf das Mediensystem haben. So zum Beispiel mit einer Journalistin von CBS, einer Radiostation, die dem Königreich Buganda gehört, das für mehr Unabhängigkeit und eine Föderalisierung Ugandas einsteht und eigene politische Ambitionen hat. Genau wegen dieser Rolle und den damit zusammenhängenden politischen Auseinandersetzungen, war das Radio von 2009-2010 für mehr als ein Jahr von der Uganda Communication Commission (UCC) geschlossen worden. Ein paar Interviews mit weiteren NGOs stehen auch noch auf der Tagesordnung. Dabei werde ich mich bei der Interviewführung nicht strikt am Leitfadenentwurf orientieren, sondern auch andere Aspekte erfassen. Und wenn man ehrlich ist: Sollte das eine oder andere Interview „unbrauchbar“ sein, also keine neuen Informationen enthalten, dann muss es auch nicht unbedingt in die wissenschaftliche Auswertung mit einfließen. Weiterlesen

Fahrt aufs Land – Wahlkampf und Medien

Feldnotizen vom 08-10.02.16

Nach vier Tagen melde ich mich wieder auf diesem Blog. Von Montag bis Mittwoch bin ich zuerst ins 420km entfernte Nebbi und dann in die Kleinstadt Arua gefahren. Mein Ziel war es mit Journalisten zu sprechen, die unter ländlichen Bedingungen ihrem Beruf nachgehen. Warum dies wissenschaftlich relevant ist, habe ich schon im vorherigen Blog-Beitrag ausgeführt.

Der Nil. Tiere konnten wegen der schnellen Fahrt nicht fotografiert werden.

Der Nil. Tiere konnten wegen der schnellen Fahrt nicht fotografiert werden

Mit dem Busunternehmen Gaa Gaa geht es in der Früh um halb acht los. Die Fahrt ist sehr angenehm und die Straßen größtenteils gut befahrbar und durchgehend asphaltiert. Die Natur, die einen umgibt ist beeindruckend, man sieht Elefanten, Affen, Büffel und sogar Flusspferde, die im Nil baden und das obwohl man sich offiziell gar nicht in einem Nationalpark befindet. Weiterlesen

Tarehe Sita Day

Feldnotizen vom 06/7.02.16

Am gestrigen Samstag und auch am heutigen Sonntag stand jeweils nur ein Interview auf der Tagesordnung. Es ist Wochenende und die Recherche, Kontaktaufnahme, Interviewführung ist ziemlich kräftezehrend. Ursprünglich hatte ich vor, einen Großteil der Interviews schon in Uganda zu transkribieren, aber den Plan muss ich wohl aufgeben – es sei denn ein Tag hat auf einmal 48 und nicht nur 24 Stunden. Das die Interviews jetzt erst ab April in Deutschland verschriftlicht werden ist eigentlich nicht ideal, denn die Gedanken und die Gesprächssituation sind dann nicht mehr frisch im Kopf. Jedoch: Durch das Schreiben dieser Feldnotizen, die eher journalistischen Berichten gleichen, durch das Notieren weiterer Stichpunkte und die Fotos der Interviewpartner glaube ich, die Erinnerungen relativ frisch halten zu können – was anderes bleibt mir gar nicht übrig.

John Kakande – New Vision

Der New Vision Verlag mit einem Teil seines Angebots

Der New Vision Verlag mit einem Teil seines Angebots

Um 11 Uhr Vormittags fahre ich in die Redaktion der New Vision, die zum gleichnamigen Verlag gehört, der zu 51% im Besitz des Staates ist. Neben der New Vision wird hier unter anderem auch die Bukkede produziert, die mit einer Auflage von ca. 40.000 die meistgekaufte Zeitung des Landes ist. Allerdings ist Bukkede auf Luganda, sodass ich nichts verstehe. Doch da die beiden Zeitung im selben staatsnahen Verlag erscheinen, sind die redaktionellen Richtlinien sehr ähnlich. An der Rezeption wartet John Kakande auf mich, ein Urgestein des Journalismus. Seit 1986 ist er Journalist und seit 1994 bei der New Vision. Während bei anderen Medien die Fluktuation äußerst hoch ist und viele Journalisten ihre Arbeit als Sprungbrett in andere Wirtschaftssektoren nutzen, findet man bei der New Vision sehr viele langjährige Mitarbeiter, vermutlich auch weil die Zeitung im Durchschnitt höhere Löhne zahlen kann. Kakande ist Koordinator sämtlicher Wahlberichterstattung der Zeitung – also genau der richtige Gesprächspartner. Weiterlesen

Ein Besuch im Parlament

Feldnotizen vom 05.02.16

Am gestrigen Freitag ging es in der früh zuerst ins Bunga-Viertel am Stadtrand von Kampala. Dort liegt das African Center for Media Excellence, das von Dr. Peter Mwesige und Bernard Tabaire gegründet wurde.DSC00620 „ACMEs Ziel ist die Medien zu einer effektiveren Plattform für Informationen über öffentliche Angelegenheiten, zu einem Werkzeug die offizielle Macht zu beobachten und zu einem Forum lebendiger öffentlicher Debatte werden zu lassen“, so das Selbstverständnis der NGO. Derzeit betreibt ACME im Auftrag von CEON-U, dem Bürgerschaftlichen Wahlbeobachtungsnetzwerk – Uganda,  ein aufwendiges und in Uganda einzigartiges Forschungsprojekt zur Beobachtung der Wahlberichterstattung. Weiterlesen