Quelle: Sendika.org

Zehntausende auf „Selbstverwaltungs“-Demonstration in Van. Quelle: sendika.org

Heute fand in Van eine der ersten Kundgebungen auf der für mehr Selbstverwaltung demonstriert wurde, statt. Trotz Repression, staatlicher Gewalt und kaltem Schneewetter nahmen mehrere zehntausend Menschen an der Veranstaltung teil. Organisiert wurde sie von der Demokratischen Partei der Völker (HDP). Einer der Hauptredner war HDP-Ko-Vorsitzender Selahattin Demirtas. Hier findet ihr einen Teil seiner Rede ins Deutsche übersetzt:

Diese schweren Tage werden vorübergehen, die diktatorische Politik wird untergehen.  Die Politiker, die, um Stimmen zu gewinnen und das Präsidial-System einzuführen, eine solche Politik fahren, werden zur Rechenschaft gezogen werden. Wir müssen die Stimmen der gewissenhaften Menschen in der Türkei hören. Während das kurdische Volk einer Friedenslösung enthusiastisch entgegenschaute, wurde nur gesagt ‚Wir werden Haus für Haus säubern‘. Dagegen muss sich aus dem Westen die Stimme der Brüderlichkeit erheben. Um für den Frieden und eine Lösung einzutreten, muss man kein HDPler sein. Man muss auch kein Kurde sein. Es reicht aus Mensch zu sein. Es ist nicht schwer das Sterben zu stoppen. Das zauberhafte Wort ‚Frieden‘ muss in Izmir, Istanbul, Konya wiederhallen, dann kommt der Frieden in dieses Land.
Wir müssen gegen die verrückt gewordene, das Land in die Katastrophe führende, Regierung aufstehen. Je mehr wir auf Verhandlungen pochen, umso mehr bedrohen sie uns. (…) Jetzt geben sie uns eine Strafe nach der anderen. Sie haben Bekir Kaya (Ko-Bürgermeister von Van) bestraft. Sie verhaften den Ko-Bürgermeister mit der Begründung, es bestehe die Möglichkeit, dass er Selbstverwaltung fordern könnte. Ihr könnt uns einsperren, so wird der Frieden aber nicht kommen. Ihr wollt uns aus dem Parlament schmeißen. Bevor ihr das tut, würde ich lieber zurücktreten, hauptsache der Frieden kommt.

Quelle: sendika.org

Bild von der heutigen Demonstration. Quelle: sendika.org

Während es im Westen der Türkei (noch) still bleibt und keine größeren Demonstrationen der Empörung stattfinden, ist das Volk in Rojava (Westkurdistan/Nordsyrien) heute in Solidarität mit Botan (Region um die Stadt Cizre) auf die Straße gegangen. Unten zwei schöne Bilder dazu.

Währenddessen ist heute raus gekommen, dass die vorgestern ermordeten drei kurdischen Frauenaktivistinnen erst aus der Luft bombardiert worden sind und dann im verletzten Zustand erschossen wurden. Es gibt anscheinend Telefongespräche, in denen sie im panischen Zustand nach einem Krankenwagen rufen und sagen, dass, sollte nicht sofort Hilfe kommen, sie erschossen werden. Daraufhin bricht das Telefonat ab. Später werden die drei Frauen und ein noch unbekannter Mann erschossen aufgefunden.
Der DBP-Ko-Vorsitzende Kamuran Yüksek hat heute auf einer diesbezüglichen Pressekonferenz festgehalten, dass seit Juli damit mehr als 215 Zivilisten getötet wurden. Die DBP (Partei der demokratischen Regionen) ist der kurdische politische Arm innerhalb der Bündnispartei HDP.

Hier noch ein paar interessante Links aus Zeitungen und Fernsehen:

http://www.neues-deutschland.de/m/artikel/997179.hdp-buergermeister-in-der-tuerkei-des-amtes-enthoben.html

https://www.medico.de/nicht-in-unserem-namen-16360/

http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/erdogan-gegen-kurden-oft-bleibt-nur-die-flucht-13994381.html

rojava-greets-botan1

Quelle: Alan Roj

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Quelle: Alan Roj