image

Muharrem Erbey, Vorsitzender des Menschenrechtsvereins IHD, Rechtsanwalt und Schriftsteller, erklärt in der aktuellen Ausgabe des Kurdistan Reports (Nr. 183):

Es ist kein Unterschied zu den 90er Jahren. Die Methoden haben sich verändert. Damals wurden Menschen, Gewerkschafter_innen, Abgeordnete, Menschenrechtler_innen nachts abgeholt und ermordet. Es herrschte ein Klima der Angst. Heute leistet die Gesellschaft geschlossen Widerstand. Damals waren die Spezialeinheiten extreme Nationalist_innen unter der Ideologie des Türkentums, heute treten sie beispielsweise als Esadullah (Löwen Allahs) mit Vollbärten auf, schreiben dschihadistische, sexistische, nationalistische Parolen an die Wände. Die Vernichtung geht aber genauso weiter. Die Weltanschauung der Mörder_innen hat sich geändert, aber die Ermordeten sind die gleichen. Jetzt ist es gefährlicher als in den 90ern. Damals wurden die Menschen im Geheimen umgebracht, jetzt werden sie auf offener Straße – vor allem Zivilist_innen – erschossen und die Mörder fliehen nicht mal, denn sie sind sich der Straffreiheit sicher; die Polizist_innen, die meinen Freund und Anwaltskollegen Tahir Elçi ermordet haben, werden weder ihres Amtes enthoben und auch zu Prozessen nur als Zeug_innen geladen. Während unsere Bürgermeister_innen inhaftiert und sofort ihres Amtes enthoben werden.

Erbey saß selber jahrelang im Rahmen der KCK-Prozesse im Gefängnis. Mehr (etwas veraltete) Informationen von PEN zu Erbey