Heimatbedrohung im Film „Soul Kitchen“ – Eine diskursive Filmanalyse

Eine Arbeit im Seminar „Die diskursive Praxis des deutschen Films der Gegenwart“ geleitet von Dr. Thomas Wiedemann.

Aus der Einleitung:

Die vorliegende Forschungsarbeit, erstellt im Rahmen des Seminars „Die diskursive Praxis des deutschen Films der Gegenwart“, präsentiert eine Diskursanalyse der Komödie Soul Kitchen. Ziel des Seminars ist es herauszufinden, wie ausgewählte, Deutschland betreffende Themen in aktuellen deutschen Filmen aus den letzten acht Jahren dargestellt und konstruiert werden.Es geht darum Diskurse als Ketten von Aussagen zu analysieren (Jäger & Jäger, 2007, S. 7).(…)
Filme sind „nicht einfach ein Abbild der Realität“, sie schaffen auch erst Realität, indem bestimmte Thematiken auf eine spezielle Art und Weise dargestellt werden (Mai, 2006, S. 24). Dies gilt ebenso für Soul Kitchen, der 2009 von dem bekannten deutsch-türkischen Regisseur Fatih Akin in Zusammenarbeit mit Adam Bousdoukos produziert wurde. Der Kneipenbesitzer Zinos muss im Film eine schwere Zeit durchleben: zuerst zieht seine Freundin Nadine für einen neuen Job nach Shanghai, und er erleidet einen schweren Bandscheibenvorfall. Durch seine Arbeitsunfähigkeit ist er dazu gezwungen, den alkoholabhängigen und exzentrischen Koch Shayn zu engagieren. Durch die neue Küche bleiben auch noch die Stammgäste weg. Doch seine Probleme gehen noch weiter: Zinos Bruder Ilias hat Freigang aus dem Gefängnis und bittet ihn um einen Job, das Finanzamt fordert Geld und die Gesundheitsbehörde will den Laden schließen. Zu guter Letzt versucht ein Immobilienhai, mit allen Mitteln Eigentümer des Ladens zu werden.Z inos Existenz, das Soul Kitchen, steht vor dem Abgrund. (Akin, 2011, S. 194) (…)

Unter dem Gesichtspunkt des Hauptthemas Heimat können wir folgendes zentrale Ergebnis vorlegen: Soul Kitchen ist nicht nur ein Restaurant, sondern steht vielmehr für den Diskurs der Heimatbedrohung. Die Heimat gilt es, vor sämtlichen Bedrohungen und Angriffen von Außen und Innen zu beschützen und zu verteidigen. Wir kommen zu dem überraschenden Ergebnis, dass Fatih Akins Film damit als wertkonservativer Film interpretiert werden kann, in dem das Alte vor dem Neuen, die Heimat als zentraler Identitätsanker vor Angriffen beschützt werden muss. Neben diesem Hauptdiskurs konnten wir einen Nebendiskurs Fürsorge feststellen, der aber letztlich auch wieder auf den dominanten Diskurs Heimatbedrohung verweist.

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