Rohat Aktaş, Chef vom Dienst der kurdischen Tageszeitung Azadiya Welat, wurde vom türkischen Militär bei der 78-Tage dauernden Ausgangssperre in Cizre ermordet. Sein Leichnam wurde heute identifiziert. Er ist einer von 177 Zivilisten, die alleine in der kurdischen 120.000 Einwohnerstadt durch die militärische Belagerung umgebracht wurden. Gleichzeitig ist es ein Angriff auf die Pressefreiheit in der Türkei, die so gut wie nicht mehr existiert.

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Rohat Aktaş, Journalist von Azadiya Welat, vom türkischen Militär ermordet

Noch in einem gestern auf Zeit Online veröffentlichten Artikel schreibt Pinar Ögünç:
„Als wir mit der Recherche-Watch-Gruppe die kurdischsprachige Tageszeitung Azadiya Welat besuchten, hatte die Redaktion seit über zwei Wochen nichts mehr von ihrem Chef vom Dienst, Rohat Aktaş, gehört. Aktaş war Mitte Dezember in Cizre, als dort eine Ausgangssperre verhängt worden war und hatte über die Situation berichtet. Zuletzt hatte die Redaktion am 22. Januar Kontakt zu ihm.
Ihnen mag es vielleicht merkwürdig vorkommen, dass Rohat Aktaş mit gerade einmal 20 Jahren Chef vom Dienst bei einer traditionsreichen Tageszeitung ist. Aber etliche Mitarbeiter von Azadiya Welat, Redakteure ebenso wie Vertriebsverantwortliche, sitzen im Gefängnis, einige wurden zu Haftstrafen von bis zu 150 Jahren verurteilt. Und vor allem in den neunziger Jahren wurden immer wieder Mitarbeiter getötet. Weil die Verhaftung erfahrener Mitarbeiter der Zeitung größeren Schaden zufügt, übernehmen inzwischen junge Kollegen die presserechtlich relevanten Posten.“

Nun hat imc tv gemeldet, dass heute weitere 8 von 65 Leichnamen, die in verschiedenen Leichenhallen liegen, identifiziert werden konnten. Unter ihnen der Journalist Rohat Aktaş. Er ist einer von mehreren Journalisten und Angestellten der linken kurdischen Tageszeitung Azadiya Welat, die in den letzten 26 Jahren von türkischen Sicherheitskräften oder dem türkischen Geheimdienst ermordet wurden.

RIP Rohat Aktaş – RIP Pressefreiheit