Feldnotizen vom 24-25.02.16

Mit dem heutigen Donnerstag geht mein Forschungsaufenthalt in Uganda dem Ende entgegen. Heute vor vier Wochen bin ich in Kampala angekommen. Ich hatte drei Ziele:

  1. mit verschiedenen Schlüsselfiguren reden, die auf die ein oder andere Weise Einfluss auf das Mediensystem hier haben
  2. relevante Dokumente sammeln, zum Beispiel Gesetze, Zeitungsartikel und Reports von (ugandischen) NGOs
  3. vor Ort einen Eindruck der Lage bekommen, schauen wie Journalisten arbeiten und das Mediensystem funktioniert, also eine Art Feldbeobachtung

All diese Dinge, so schätze ich es vorläufig ein, sind gut gelungen. Insgesamt habe ich 46 Personen interviewt. Das ist für eine Masterarbeit sehr viel, aber es hat einfach Spaß gemacht.
Hier findet ihr eine Liste der Interviewpartner:

  • Achola Rosario (Journalistin und Medienaktivistin von Go Forward um Präsidentschaftskandidat Amama Mbabazi)
  • Ahmed Hadji (Aktivist des African Youth Development Link)
  • Andrew Mwenda (Journalist, Herausgeber von The Independent)
  • Angelo Izama (Investigativjournalist, u.a. bei Urban TV)
  • Barbara Among (Chefredakteurin des Uganda Radio Network)
  • Benedict Okethwengu (Freelance-Journalist für New Vision in der Kleinstadt Nebbi)
  • Bernard Opwonya (TV-Redakteur bei NTV)
  • Charles Mwanguhya (Journalist und Kommunikations-Direktor bei Citizens´ Coalition for Electoral Democracy in Uganda)
  • Chris Obore (Direktor für Kommunikation und öffentliche Angelegenheiten des ugandischen Parlaments)
  • Dennis Kawuma (ehem. Wirtschafts-Redakteur beim Daily Monitor, arbeitet jetzt in der freien Wirtschaft)
  • Don Wanyama (Special Media Assistant to the President, früher Managing Editor des Daily Monitors)
  • Edward Sekyewa (Investigativjournalist, Direktor des Hub for Investigative Media)
  • Ernest Acidri (Chefredakteur von Radio Pacis in Arua)
  • Fred Otunnu (Direktor of Corporate Affairs bei der Uganda Communication Commission)
  • Gerald Walulya (Doktorand an der Makerere Universität, promoviert zur Situation der Medien bei den Wahlen in Uganda und Tanzania)
  • Giles Muhame (Journalist, Herausgeber Chimp Reports)
  • Godfrey Nabongo (Kommunikations-Direktor beim Uganda Bureau of Statistics)
  • Haruna Kanabi (Journalist, Mitbegründer des Independent Media Councils)
  • Irene Ikomu (Anwältin, Gründerin von Parliament Watch)
  • Jacob Balyejjusa (Journalist, Moderator bei Kingdom FM)
  • John Baptiste Wasswa (Journalist, Media-Consultant, Vorsitzender der Uganda Media Development Foundation)
  • John Kakande (Politik-Redakteur bei New Vision, verantwortlich für die Wahlberichterstattung)
  • Kenneth Paul Kakande (Sprecher der Demokratischen Partei)
  • Mareike Le Pelley (Leiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung in Uganda)
  • Mathias Mulumba (Mitarbeiter von ACME, zuständig für die Evaluierung der Projekte)
  • Mohles Kalule Segululigamba (Mitarbeiter von ACME, Leiter des Media Monitoring Projekts zu den Wahlen)
  • Monica Chibita (Professorin am Department for Mass Communication an der Uganda Christian University)
  • Moses Kajangu (Journalist, Exekutivdirektor der Uganda Parliamentary Press Association)
  • Moses Watasa (Communication Commissioner beim Ministry of Information and National Guidance)
  • Musema Bruce (unterlegener Parlamentskandidat für das Forum for Democratic Change (FDC) in Arua)
  • Nelson Naturinda (Chefredakteur von election.co.ug)
  • Osman Draga (Nachrichtenredakteur bei Arua One FM)
  • Paul Bukenya (stellv. Sprecher der Electoral Commission)
  • Dr. Peter Mwesige (Gründer und Vorsitzender des African Center for Media Excellence, ACME)
  • Prossy Kawala (Medienkompetenz-Trainerin und Vorsitzende des Center for Media Literacy and Community Development)
  • Richard Wanambwa (Investigativjournalist, Herausgeber von eagle.co.ug)
  • Robert Ssempala (Direktor des Human Rights Network for Journalists in Uganda)
  • Ronald Orachnun (Nachrichtenredakteur bei Radio Rainbow in Nebbi)
  • Rosebell Kagumire (Bloggerin und Mitarbeiterin verschiedener NGOs)
  • Ruth Aine (Bloggerin, Teil des FDC-Social-Media-Teams)
  • Sarah Amviko (assistierende Programm-Managerin, Radio Pacis in Arua)
  • Simon Mayende (Director for Information and National Guidance, OPM)
  • Simone Schlindwein (Auslandskorrespondentin für taz und andere deutschsprachige Medien)
  • Steven Ouma (Vorsitzender der Uganda Journalist Union)
  • Tabu Butagira (Politik-Redakteur beim Daily Monitor, verantwortlich für die Wahlberichterstattung)
  • William Tayeebwa ( Head of Department of Journalism and Communication an der Makerere Universität)

Das war viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt.
Gleichzeitig wurden viele Gesetzestexte und Medienbücher gefunden. Auch viele Zeitungsartikel, die über die Rolle der Medien bei den Wahlen reflektieren wurden gesammelt. Viele medienrelevante NGOs haben mir ihre Berichte gegeben. Bei einigen wird es noch dauern, da diese erst in den kommenden Wochen fertiggestellt werden.

Eine erste inhaltliche Einschätzung kann ich hier noch nicht geben, dafür fehlt die Zeit. Wer aber Interesse an der Master-Arbeit hat, kann diese nach der Korrektur und Benotung einsehen. Dafür einfach eine Email an kerem.schamberger@gmx.de schreiben.

Special Media Assistant Don Wanyama

Am Mittwoch hat dann noch ein lange angepeiltes Interview endlich geklappt. In einem großen Einkaufscenter treffe ich mich mit Don Wanyama. Er ist Special Media Assistant des Präsidenten, zur Unterstützung seines Wahlkampfes. In den letzten Monaten hatte er persönlich jeden Tag mit Museveni zu tun. Wanyama und ich, wir kennen uns bereits vom ersten Aufenthalt, damals war er noch Managing Editor des Daily Monitor. Doch dann wurde er unter seltsamen Umständen gekündigt. Denn Anfang Januar 2015 veröffentlichte der Daily Monitor eine Umfrage, die zeigte, dass Präsident Museveni die Wahlen gewinnen würde. Dies fanden einige der Opposition nahestehenden Shareholder des Monitor nicht witzig und veranlassten die Kündigung von Wanyama.

Don Wanyama, Special Media Assistant des Präsidenten

Don Wanyama, Special Media Assistant des Präsidenten

Im Juni 2015 bekam er dann aus dem Umfeld des Präsident die Anfrage, ob er beim Wahlkampf mitmachen wolle. „Ich fühlte mich ungerecht behandelt, auch deshalb habe ich das Job-Angebot von Museveni als Special Media Assistant angenommen“, erzählt der Journalist, der früher sehr kritisch zum Präsidenten gestanden hat und ihn zum Beispiel als Kritik-Feigling bezeichnete. Seine Aufgabe während des Wahlkampfes sei die Koordinierung der Arbeit mit Journalisten, Veröffentlichungen seitens des Präsidenten, aber auch die Betreuung und Content-Generierung für die Social Media Seiten der NRM und Musevenis, gewesen. Es ging darum, die Narrative der Medien über den Präsidenten zu beeinflusse, eigentlich ein klassischer PR-Job. Museveni selbst schaue des öfteren in sein Facebook-Profil und lese sich die Diskussionen durch. Das Social Media für vier Tage während den Wahlen gesperrt war, verteidigt Wanyama: „Der Westen ist sich nicht bewusst, woher wir kommen. Wir sind eine Gesellschaft, die sich erst noch entwickeln muss“. Die Blockade habe dabei geholfen eine gewisse Stabilität bei den Wahlen zu sichern.
Ob er sich denn noch als Journalist fühle, frage ich ihn. „Ich bin momentan ein politischer Kommunikator“, antwortet er. Aber jetzt, nach den Wahlen, überlege er sich an seiner akademischen Karriere zu arbeiten, die bereits vor einiger Zeit begonnene Master-Arbeit liege fast fertig in seiner Schreibtischschublade.

Momentan sorgt folgendes Video für einige Aufregung in Kampala:

Darauf sind zwei Auslandsjournalisten zu sehen, die angeblich einen Polizeibeamten „attackieren“. Die zwei Kollegen reden sichtlich erbost und unsachlich mit einem Polizisten. Der Grund, der im Video nicht zu sehen ist: Kurz zuvor wurde ein AFP-Journalist und Kollege von ihnen von der Polizei mit Pfefferspray eingesprüht, als dieser eine der vielen Festnahmen von Besigye vor seinem Haus fotografieren wollte. Dies wird in dem Video nicht erwähnt. Dieser Vorfall schlägt derzeit sogar solche Kreise, das der oberste Polizeichef Kale Kayihura sich dazu äußert und ankündigt, dass Verhalten dieser westlichen Reporter untersuchen lassen zu wollen (und nicht den Angriff auf den AFP-Journalisten). Don Wanyama, der mir zu Beginn des Gesprächs gleich dieses Video zeigt und sich ebenfalls darüber empört, was sich weiße Journalisten in Uganda für Sonderrechte herausnehmen, ist der Meinung, dass man diese sofort des Landes verweisen sollte. Der Westen insgesamt gehe, laut Wanyama, viel zu überheblich mit Uganda um, dass dürfe man sich nicht gefallen lassen.

John Baptiste Wasswa, Vorsitzender der Uganda Media Development Foundation

John Baptiste Wasswa, Vorsitzender der Uganda Media Development Foundation

Kurz vor Ende des heutigen Tages (Donnerstag) treffe ich noch John Baptiste Wasswa, der langjährige Journalist, der nun Vorsitzender der Uganda Media Development Foundation ist und Trainings für Radiojournalisten auf dem Land anbietet. Mit ihm spreche ich vor allem über die Eigentumsverhältnisse im Mediensystem und die daraus resultierenden Einschränkungen der Medienfreiheit. Aber dazu dann mehr in der Master-Arbeit.

Ich hoffe denjenigen, die meine Berichte gelesen haben, hat es gefallen. Es ist mehr als gedacht geworden: 14 Feldnotizen mit mehr als 65 Seiten. Über Feedback freue ich mich natürlich. Insgesamt wurden die Feldnotizen auf dem Blog nicht kommentiert, bis auf von irgendwelchen Spam-Kommentaren, die mir Viagra verkaufen wollten.

In den nächsten fünf Wochen wird dieser Blog (vermutlich) ruhen, da es nun heißt: Ab in den Urlaub!